Gestern im Wartezimmer


10.March 2004

Tja, da muss man schon mal zum Arzt, und dann das… Dienstagmorgen, 7:30 – Ich betrete das Wartezimmer meines Hausarztes zu nachtschlafender Zeit zum Blutabnehmen. Profis nennen das dann “Kommse ma Labor machen achja, nüchtern” Und da war das Zauberwort. 7:30 Nüchtern? Kein Kaffee? NEIN! Oh mein Gott, unter Leute gehen und KEIN Kaffee vorher. Das wird schwer – dachte ich…

Also, einen speckigen “Spiegel” schnappen, und verzweifelt um 7:30 Uhr Interesse für das gedruckte aufbieten. Nach ein paar Sekunden schaue ich mich dann mal um. Bang – HÜÜÜLFÄÄÄÄ, alles nur Rentner, alte Leute, und ganz komisch dreinschauende zusammengefallene Persönchen. Scheisse, erster Gedanke: Gut das ich nicht so oft beim Arzt bin. Dann: Ups, seh ich auch so aus? Tja, egal… Der Hammer, und damit auch das sofortige ablegen des “Spiegels” war dann die erste Aktion meines Gegenüber-Opa. Der hustet doch mindestens seine gesamte Lunge incl. Bronchien und Luftröhre in seine Hand – und schüttelt diese dann Opa Nummer2 (der steht grad im Eingang) “Moin Günner, Du ook wedder in hiä”. Wer weiß wie viele Lungen und Bronchien mein “Spiegel” schon geschluckt hat. Igitt weg damit.

Starres in die Luft gucken. Starr …. Immer noch … noch mehr… Irgendwie sacht keiner was zum mitlauschen.

Die alten Leute können wohl nicht mit Personen in meinem Alter in “IHREM” Wartezimmer umgehen. So werd ich jedenfalls teilweise beäugt.

Beim gucken fällt mir auch auf, das mein Doc sein Wartezimmer hat neu tapezieren und streichen lassen hat. Gott, wie lange war ich nicht hier – zum Glück wie mir immer klarer wird. Die Leute waren doch früher nicht so alt – in diesem Wartezimmer… Langsam hab ich mich ja dann vom Hustaretten-Opa erholt und dachte langsam ans “Dransein”.
Doch nixe doa, erstmal musste “Günner” anfangen mit seinem Gebiss, oder anderen losen Dingen in seinem Mund so “rumzuklackern”. Ich glaub der war so schwerhörig, dass er gar nicht gemerkt hat, dass man das deutlich hören konnte. Die restlichen “Durchschnittsohren” im Wartezimmer wohl auch. Ich hätt Kotzen können. Was für ein Morgen.
Was fehlte noch – Genau: Mutter Kleinkind. Super dachte ich – jetzt ist Schluss … “Der nächste bitte Labor…” JA, JA, JA – Ich bin nur noch aufgesprungen und los, ICH war dran, nein ich war ERLÖST!

Was nun kam, hab ich noch nie gesehen. Mein Doc hat scheinbar seine Laborarbeiten “outgesourced”. Da saß eine Schwester (Hätten auch gut 2 in 1 sein können) mit nem Schildchen von irgend sonem Labor in Oldenburg. Naja, was soll’s. Jeder muss sparen. “…Guten Morgen! Mensch ist ja wie auf dem Bahnhof um die Zeit schon hier…” sag ich, um etwas Nettes zu sagen. “Geburtstag und Name?” wurde mir entgegen gefaucht. Uuups! Denn ein *wirklich* rabiater Pieks und raus! War es DAS Wert? Morgens um halb Acht ohne Kaffe eingesperrt mit spuckenden und klappernden Rentnern und Scheintoten?
Naja, wo bekommt man für 10 Euro schon so eine Show?